Donnerstag, den 03. Februar 2011 um 16:27 Uhr
Zur aktuellen Debatte: Kommt eine Frauenquote in deutsche Unternehmen?
Die Diskussion über die Implementierung einer gesetzlichen „Frauenquote" fand in der ablehnenden Aussage von Andrea Merkel vorerst ein jähes Ende. Die Bundeskanzlerin argumentierte, dass der Wirtschaft noch einmal die Chance gegeben werden müsse die Beteiligung von Frauen in Führungspositionen freiwillig zu erhöhen. Damit reagierte sie auf den Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, der einen Frauenanteil von mindestens 25 % in Führungspositionen gesetzlich verpflichtend machen würde. Von der Leyens Vorpreschen wurde nicht nur von dem Koalitionspartner FDP kritisch zur Kenntnis genommen und prompt abgelehnt. So bezog auch Familienministerin Kristina Schröder gegen eine starre Quote Stellung und schlug ihrerseits eine „Flexi-Quote" vor. Danach sollen Betriebe ab einer gewissen Größe gesetzlich dazu verpflichtet werden, für sich eine selbst bestimmte Frauenquote festzulegen.
Vor dem Hintergrund der EU-Pläne muss Deutschland jedoch langfristig mit einer Regulierung in diesem Bereich rechnen: Viviane Reding, EU-Kommissarin für Justiz und Grundrechte, stellt diesbezüglich fest: „Wenn ich am Ende dieses Jahres sehe, dass sich da außer Lippenbekenntnissen nichts tut, erwäge ich allerdings sehr wohl, auf europäischer Ebene Rechtsinstrumente dazu auf den Weg zu bringen". Auch EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier, für Regeln zur guten Unternehmensführung und damit auch für Quoten zuständig, kann sich eine solche Maßnahme vorstellen: „Ich stehe der Idee aufgeschlossen gegenüber, europaweit Frauenquoten einzuführen, beispielsweise in den Vorständen der großen börsennotierten Unternehmen". Schon im April will die EU-Behörde einen konkreten Vorschlag diesbezüglich machen. Bislang gibt es in Deutschland nur eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft, mehr Frauen in die Vorstände und Aufsichtsräte zu holen. Diese datiert noch aus der Ära Gerhard Schröders. Seitdem ist allerdings nicht viel passiert. Noch immer ist in 90 Prozent der 100 größten Unternehmen nicht eine einzige Frau im Vorstand. Aus den DAX30-Unternehmen hat sich lediglich die Deutsche Telekom öffentlich dazu verpflichtet, bis 2015 einen Frauenanteil von 30% in Führungspositionen zu erreichen.
Quellen und weiterführende Artikel:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,742544,00.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,742544,00.html
http://www.welt.de/politik/deutschland/article12399696/Von-der-Leyen-zieht-neue-Fronten-in-der-Quotenfrage.html
http://www.telekom.com/dtag/cms/content/dt/de/829454



