Freitag, den 29. Oktober 2010 um 15:00 Uhr
Gezielte Personalmaßnahmen für Ältere Mitarbeiter(innen) zahlen sich aus – repräsentative Studie des ZEW
Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW) legt die erste deutschlandweit repräsentative Studie zur Wirkung spezifischer Personalmaßnahmen für ältere Mitarbeiter vor.
Der Anteil der Generation 50+ an den Beschäftigten deutscher Unternehmen nimmt seit Jahren stetig zu und wird weiter steigen. Um Produktivitätseinbußen zu vermeiden, setzen schon jetzt viele Betriebe auf Personalmaßnahmen speziell für ältere Mitarbeiter. Dies zahlt sich aus: Ältere sind erheblich leistungsfähiger, wenn sie in Teams mit jüngeren Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten, ihr Arbeitsplatz altersgerecht ausgestattet ist und die Tätigkeiten ihre Stärken berücksichtigen. Dies sind zentrale Ergebnisse einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).
In der Studie wird erstmals repräsentativ für die deutsche Wirtschaft untersucht, ob speziell auf ältere Beschäftigte über 50 Jahren zugeschnittene Personalmaßnahmen deren Produktivitätsbeitrag im Vergleich zu jüngeren Beschäftigten verbessern und ob damit auf lange Sicht Produktivitätseinbußen der Unternehmen auf Grund der verstärkten Alterung der Erwerbsbevölkerung entgegen gewirkt werden kann.
Im Rahmen der Untersuchung konnte zudem gezeigt werden, dass Ältere im Durchschnitt nicht weniger produktiv sind als jüngere Beschäftigte. Es gibt jedoch große Unterschiede zwischen den Betrieben und in vielen Betrieben sinkt die Produktivität bei einem Anstieg des Anteils Älterer.
Die Berechnungen des ZEW zeigen, dass Ältere in Betrieben mit einer altersspezifischen Ausstattung der Arbeitsplätze signifikant produktiver sind als ohne die angepasste Ausstattung. Dies kann zum Beispiel eine bessere Beleuchtung oder kontrastreichere Bildschirme an Computerarbeitsplätzen sein. Auch sind Ältere vor allem dann deutlich leistungsfähiger, wenn sie altersgerechten Tätigkeiten nachgehen können, beispielsweise weniger körperlich belastende Arbeiten erledigen. Ältere Beschäftigte sind besonders in Arbeitspositionen wertvoll, in denen große Erfahrung gebraucht wird. In gemischten Teams profitieren nachgewiesenermaßen alle: die Produktivität Älterer ist erhöht und auch jüngere Beschäftigte lernen im direkten Arbeitskontakt von der langen Berufserfahrung der älteren Kollegen.
Andererseits zeigt sich, dass sich andere Maßnahmen, wie Weiterbildungsmaßnahmen für Ältere sowie Altersteilzeitmodelle, auf den Produktivitätsbeitrag älterer Mitarbeiter nicht auswirken. Ursachen hierfür sind möglicherweise der wiederholte Einsatz in alten Aufgabenfeldern trotz Weiterbildung. Bei Altersteilzeit wiederum überwiegt in Deutschland bisher das sogenannte Blockmodell, in dem Mitarbeiter meist früher in den Ruhestand wechseln, die Arbeitszeit davor jedoch nicht reduziert wird. Eine geringere Arbeitsbelastung Älterer und ein langsamer Übergang mit entsprechendem Wissensmanagement sind dagegen seltener umgesetzt.
Die Studie des ZEW basiert auf Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Jahre 1997 bis 2005. Die Daten umfassen fast sieben Millionen Beschäftigte sowie gut 8.500 Betriebe.
Quelle: http://idw-online.de/pages/de/news391197
Weitere Informationen: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH. www.zew.de
Download der Studie: http://www.zew.de/publikation5936 (englisch)



