Freitag, den 29. Oktober 2010 um 12:15 Uhr
Mit Ausbildung gegen den Fachkräftemangel: Qualifizierungsmonitor vom BMWi zeigt Trends und Forderungen in der deutschen Wirtschaft auf
Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) wurden von IW Köln und IW Consult zwischen Ende Juli und Mitte September 1.782 Unternehmen repräsentativ zu ihrer Ausbildungs- und Qualifizierungssituation sowie zum Fachkräftebedarf befragt. Mit dem Qualifizierungsmonitor soll eine Einschätzung der Qualifizierungssituation in der deutschen Wirtschaft ermöglicht werden. Der Bericht bietet Informationen zur aktuellen Ausbildungssituation und zum künftigen Bedarf. So sollen künftige Chancen und Potenziale beim Fachkräftenachwuchs aus Unternehmenssicht erkannt werden und die Ausbildungssituation von spezifischen Gruppen wie Altbewerber, lernschwache Jugendliche sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.
Zu den zentralen Ergebnissen des ersten Qualifizierungsmonitors gehören folgende Kernpunkte:
- Steigendes Ausbildungsangebot in 2011: Deutlich mehr Unternehmen wollen im kommenden Jahr ihr Ausbildungsengagement im Vergleich zu 2009 stark ausweiten.
- Unternehmen engagieren sich in hohem Umfang bei der beruflichen Orientierung von Schülern. Mehr als drei von vier Unternehmen bieten Praktika für Schüler an. Dies bietet besonders leistungsschwächeren Bewerbern die Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, da die meisten Unternehmen ihre Auszubildenden nach wie vor über persönliche Kontakte suchen.
- Hoher Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen: Gut die Hälfte der Unternehmen berichtet von Vakanzen als Ausdruck von Rekrutierungsproblemen am Ausbildungsmarkt. 2009 blieben gut 13 Prozent der angebotenen Ausbildungsstellen unbesetzt. 2010 hat sich diese Problematik weiter verschärft. Es wird somit für Unternehmen aktuell wieder deutlich schwieriger geeignete Bewerber zu finden. Ursachen für die Unbesetzung von Ausbildungsstellen liegen hauptsächlich in fehlenden Qualifikationen.
- Höhere Ausbildungsqualität durch Nachhilfe: Um das Qualitätsproblem zu mildern, bieten knapp zwei Drittel der ausbildungsaktiven Unternehmen ihren Azubis, besonders lernbeeinträchtigten Jugendlichen, Jugendlichen mit Hauptschulabschluss und mit Migrationshintergrund, Nachhilfeunterricht an.
- Hoher zusätzlicher öffentlicher Förderbedarf: Unternehmen mit Ausbildungserfahrung äußern trotz ihres hohen eigenen Engagements und der bereits vorhandenen externen Unterstützungsangebote zusätzlichen Förderbedarf. Die Förderung sollten verlässlich sein, damit die Unternehmen hier Planungssicherheit haben und nicht von Einzelfallentscheidungen externer Stellen abhängig sind.
- Verbesserung der schulischen Vorbildung als zentrale Forderung: Die Unternehmen sehen in gezielten Maßnahmen, mit denen die Ausbildungsreife durch eine bessere Schulbildung- und Allgemeinbildung verbessert wird, die beste Maßnahme zur künftigen Sicherung einer ausreichenden Zahl von geeigneten Bewerbern. Knapp die Hälfte aller Unternehmen erwartet, dass hierdurch der Fachkräftenachwuchs in Zukunft besser gesichert werden kann.
- Quelle: IW Köln: Qualifizierungsmonitor 2010



